Autonomie am Lebensende – über den Umgang mit dem Sterben neu nachdenken

Im Gegensatz zur Schweiz, zu Belgien, den Niederlanden oder einigen US-amerikanischen Bundesstaaten, wo teilweise sehr liberale Regelungen zur Sterbehilfe existieren, ist die Rechtslage in Deutschland von Grauzonen geprägt: Zwar ist der Suizid in Deutschland straffrei, doch muss die sogenannte „Täterherrschaft“ eindeutig beim Sterbewilligen liegen. Wenn man jemanden einen Giftcocktail einflößt, der dazu nicht mehr in der Lage ist, wäre dies Totschlag. Die Unterlassung lebensverlängernder Maßnahmen ist zwar nicht strafbedroht, es gibt aber keine Eindeutigkeit der Rechtslage. Auch die ärztlichen Standesordnungen stehen in manchen Bundesländern der Sterbehilfe entgegen. 

Ein vorliegender Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums würde eine Verschärfung der Gesetzeslage bedeuten, da jede Hilfe beim Suizid unter Strafe gestellt würde. Ein Entwurf einer interfraktionellen Arbeitsgruppe würde dagegen die Selbstbestimmung stärker gewichten. Doch auch dort wäre ein „Bilanzsuizid“ nicht zulässig: Nicht mehr leben wollen, ohne schwerkrank zu sein, wäre kein zulässiges Motiv. „Ich will mich töten, wann ich will – bevor ich pflegebedürftig bin“ formulierte es eine Diskutantin. Diese Überlegungen greifen die Vorstellungen der Humanisten auf: Voraussetzung für eine zulässige Sterbehilfe sollen Volljährigkeit und ein Beratungsgespräch sein. Die mitunter geäußerte Befürchtung, eine Liberalisierung der Sterbehilfe würde dazu führen, dass Pflegebedürftige von Angehörigen unter Druck gesetzt würden, wird von Ärzten in der Realität kaum beobachtet.

Eine Meinung zu diesem Thema muss sich jeder selbst bilden – die Diskussion im Bundestag verspricht spannend zu werden.

Gottfried Schmitt