Bildung

 01.09.2012

Pragschule will Ganztagsschule werden
Ein Interview mit dem Schulleiter Peter Burkhardt


Herr Burkhardt, die Pragschule stellt einen Antrag bei der Stadt Stuttgart, weil sie Ganztagsschule werden möchte. Was waren die Beweggründe?
Der Betreuungsbedarf hat sich stark verändert. Hatten wir vor 10 Jahren nur etwa 20 Kinder in der Hausaufgaben und Freizeitbetreuung, so sind dies aktuell 60. 50 Kinder besuchen den Hort an der Pragschule, hinzu kommen noch etwa 80 Kinder in der Schulkindbetreuung bis 14 Uhr. Somit nehmen rund 65% der Kinder eine Betreuung außerhalb der Unterrichtszeiten in Anspruch. Aber fast nur die Kinder in der Hortbetreuung erhalten ein Mittagessen. Den Eltern ist aber nicht nur die Betreuung wichtig, sondern auch eine Lernunterstützung und Begleitung bei den Hausaufgaben. Das bekommen die Kinder aber nur im Hort und in der Hausaufgabenbetreuung. Die Nachfrage nach allen drei Betreuungsformen steigt ständig. Daher wollen wir ein stimmiges Gesamtkonzept anbieten.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile bei der Ganztagsschule?
Das Betreuungs- und Bildungsangebot der Pragschule wird klar. Kinder erhalten ein Mittagessen, Hausaufgaben entfallen, da es in der Ganztagesschule hierfür individuelle Lernzeiten gibt. In diesen Lernzeiten sind eine Lehrerin und eine Mitarbeiterin des pädagogischen Personals in der Klasse. Die Ganztagesschule ist kostenlos, nur eine Betreuung nach 15.45 Uhr und die Ferienbetreuung sind kostenpflichtig. Der längere Aufenthalt in der Schule wirkt offensichtlich auf die Lernergebnisse der Kinder positiv. In der Carl-Benz-Schule stiegen die Übergangsquoten auf das Gymnasium auf das Dreifache. Außerdem sind dort die Konflikte zwischen den Kindern geringer geworden und das Sozialverhalten hat sich verbessert.

Sehen Sie auch Nachteile?
Absprachen zwischen Lehrkräften und pädagogischem Personal sind sehr wichtig. Dafür müssen im Stundenplan gezielt Stunden eingeplant werden, in denen sich die beteiligten Personen einer Klasse absprechen, über Kinder austauschen und gemeinsam planen können.

Wie soll die Pragschule als Ganztagsschule aussehen?
Ein weiterer Vorteil einer Ganztagesschule ist die Möglichkeit des Rhythmisierens. Unterrichtsangebote, individuelles Lernen, Arbeitsgemeinschaften, Sport- und Spielangebote finden sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag statt. Die starre Trennung zwischen Lernangeboten am Vormittag und Freizeitangeboten am Nachmittag kann durchbrochen werden, die Schule wird noch stärker als bisher zum Ort des gemeinsamen Lebens.

Es gibt ja gebundene und teilgebundene Ganztagsschulen. Können Sie den Unterschied erklären?
Bei einer Grundschule in der gebundenen Form gibt es ausschließlich Ganztagesklassen. Ist sie teilgebunden, wird auf jeder Stufe eine Klasse in der bisherigen Form der Halbtagesschule geführt. Der Unterricht für die Kinder endet am Vormittag und sie gehen nach Hause oder können die Schulkindbetreuung bis 14 Uhr in Anspruch nehmen. Ein Mittagessen und eine Hausaufgabenbetreuung gibt es für diese Kinder nicht.

Die Pragschule möchte teilgebundene Ganztagsschule werden. Warum?
Letztlich haben zwei Umstände den Ausschlag gegeben. Ein Teil der Eltern benötigt die Ganztagesbetreuung, ein anderer Teil möchte seine Kinder nachmittags gerne zu Hause haben. Eine teilgebundene Schule bietet für die Eltern Wahlfreiheit. Zudem ist ein Umstieg von der teilgebundenen Form in die gebundene Form möglich, wenn wir feststellen, dass das Angebot nicht mehr den Bedürfnissen und Wünschen entspricht, umgekehrt nicht.

Wann wird mit dem Start der Ganztagsschule zu rechnen sein?
Das kommt darauf an, für einen Ganztagesbetrieb bieten wir noch nicht die räumlichen Voraussetzungen. Ein konkretes Datum, bis wann die Baumaßnahmen durchgeführt werden, können wir nicht nennen. Vielleicht bis zum Schuljahr 2015/16.

Was bedeutet die Umgestaltung für den Hort an der Pragschule?
Der Hort an der Pragschule bleibt in seiner jetzigen Form auf jeden Fall bis zum Beginn der Ganztagesschule erhalten. Die Einführung wird nach und nach beginnen. Kein Kind wird seinen Platz verlieren. Nur Neuaufnahmen wird es nicht mehr geben, da die Kinder dann die Möglichkeit haben, die Ganztagesschule zu besuchen.

Herr Burkhardt, wir danken für das Gespräch!
 

 

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 04.07.2012

Anmerkungen zum Schulentwicklungsplan

 

Dick und schwer wie ein Telefonbuch: 658 Seiten umfasst der jetzt vorliegende Schulentwicklungsplan 2009 – 2020 für die allgemein bildenden Schulen. Für unseren Stadtbezirk Nord wird sich im Bestand zunächst nicht viel ändern. In 5 Modellvarianten bleiben Mühlbachhofschule, Pragschule sowie Rosensteinschule (samt Erweiterung) unangetastet.

Für 2020 wird der Bedarf einer weiteren dreizügigen Grundschule prognostiziert, die auf das frei werdende Gelände des heutigen Abstellbahnhofs beim Rosensteinpark gebaut werden soll. Ob diese Standortplanung sinnvoll ist, wird die SPD kritisch durchleuchten. Nicht bedacht ist die wesentlich schnellere Entwicklung der Schülerzahlen im Bereich der Nachbebauung auf dem heutigen Gelände des Bürgerhospitals. Bereits heute ist absehbar, dass die Pragschule aus allen Nähten platzen wird. Hier wird ein Anbau zwingend sein. Die SPD-Fraktion im Bezirksbeirat Nord wird sich hiermit gründlich befassen.

 

Axel Alt