Stuttgart 21

Infoveranstaltung zur Baulogistik von S 21 im Martinsgemeindehaus: Der Vorhang zu und alle Fragen offen?

 

Die Auswirkungen der Baulogistik für Stuttgart 21 auf das Nordbahnhofviertel sind für die Anwohner nach wie vor ein großes Thema. Das zeigte das rege Interesse an einer Informationsveranstaltung am 27. Juni, zu der Bezirksbeirat und Infoladen eingeladen hatten: Etwa 200 Teilnehmer hörten den einleitenden Vorträgen zu und stellten anschließend viele überwiegend kritische Fragen – konkret beantwortet wurden sie nur zum Teil.

Frau Kaiser, die Bürgerbeauftragte der Stadt Stuttgart für S 21, wies darauf hin, dass die Baulogistik planfestgestellt sei, die DB hierfür also Baurecht habe. Für Lärm- und Staubbelästigungen muss die DB einen Immissionsschutzbeauftragten benennen, bei dem sich alle melden können, die den Eindruck haben, dass z.B. Lärmschutzvorgaben nicht eingehalten werden. Die bisher festgelegten Maßnahmen (z.B. die Höhe der Lärmschutzwand an der Logistikstraße zwischen Ehmann- und Nordbahnhofstraße) wurden aufgrund von Prognosen erstellt, die in der Realität noch überprüft werden müssen. Zusätzliche Maßnahmen muss die DB allerdings nur ergreifen, wenn über mehr als zwei Monate hinweg die Lärmprognosen um mehr als fünf Dezibel überschritten werden. (Und sie kann sich auch durch Entschädigungen „freikaufen“).

Herr Klegraf., der Vorstand des Vereins Infoladen auf der Prag und frühere Bezirksvorsteher, erinnerte daran, dass die lange Phase der Ungewissheit zu Stagnation und Verzögerungen für das Pragviertel geführt habe: Es gibt kein Bürgerhaus, der Spielplatz an der Friedhofstraße brauchte sieben Jahre, bis er realisiert war, und ein Aufzug an der S-Bahn-Station von der Nordbahnhofstraße aus ist nach wie vor in weiter Ferne. Beifall fand seine Forderung, die Stadt müsse Anwohnerinteressen ggf. auch gegen die DB vertreten. (Dass das nicht selbstverständlich ist, sah man an Frau Kaisers Worten: Mehrfach sagte sie „wir“, wenn die DB gemeint war.)

Herr Plenter von der DB ProjektBau präsentierte die Detailplanungen, etwas schnoddrig und technokratisch, und nicht immer ganz leicht zu verstehen. So detailliert wie erhofft waren die Informationen aber doch nicht: Vieles, z.B. die Zahl der Lkws auf der Logistikstraße pro Stunde oder die Betriebszeiten auf Logistikstraße und Umschlaggelände, hängt von der Bauablaufplanung der Unternehmen ab, die die Bauausschreibungen gewinnen – aber das ist eben noch offen, ebenso, ob auf der zentralen Logistikfläche zwischen S-Bahnhof Nordbahnhof und der Gäubahnbrücke über den Inneren Nordbahnhof ein neues Betonmischwerk errichtet wird (die vorhandene Anlage wird demnächst abgerissen). Klar ist jedenfalls folgendes: Die Bauzeit der Logistikstraße wird etwa 18 Monate betragen, und begonnen wird mit den beiden Brücken über die Ehmann- und die Nordbahnhofstraße. Die unmittelbar betroffenen Anwohner sollen spätestens 14 Tage vorher informiert werden, das Datum des Baubeginns sei noch nicht bekannt. Sonntags soll die Logistikstraße definitiv nicht befahren werden.

Neben vielen anderen Punkten kam die Sprache auch wieder auf das Kopfsteinpflaster auf der Otto-Umfrid-Straße, das etwa 120 Familien regelmäßig Nerven kostet, wenn Lkws darüber scheppern. Solange die Logistikstraße noch nicht fertig gestellt ist, werden Lkw mit Aushubmaterial auch hierüber zur zentralen Logistikfläche fahren – wahrscheinlich deutlich öfter als die heutigen Belieferungen des Schrotthandels, der 2012 nach Feuerbach umziehen wird. Der Bezirksbeirat hatte (auch auf SPD-Initiative) angeregt, das Pflaster zu überteeren. Nach Aussage von Frau Kaiser gehört das Pflaster jedoch zum Ensemble der Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“. Dennoch sollte es möglich sein, meinte auch die Bezirksvorsteherin Frau Krueger, das Kopfsteinpflaster zumindest vorübergehend zu überdecken.

Wenn die DB demnächst mit den Bauarbeiten für die Logistikstraße beginnt – und daran kann man sie kaum hindern –, wird es also vor allem darum gehen, zu überprüfen, ob die Vorschriften aus dem Planfeststellungsbeschluss auch alle eingehalten werden und bei hohen Lärm- und Staubbelastungen beim Immissionsschutzbeauftragten Alarm zu schlagen. (Dabei handelt es sich um das Ingenieurbüro Fritz: Fritz GmbH, Beratende Ingenieure VBI,
Fehlheimer Straße 24 in 64683 Einhausen, Tel. 06251/ 96 46-0, E-Mail: info@fritz-ingenieure.de )

In einem Punkt könnte die Stadt allerdings selbst im Sinne ihrer Bürger tätig werden: Dass das Kopfsteinpflaster unbedingt sichtbar bleiben muss, egal wie hoch die Lärmbelastung für die Anwohner ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Hier versteckt sich die Stadt auf dem Rücken der Bürger hinter einer Gedenkstätte, die wahrlich nicht in erster Linie aus Kopfsteinpflaster besteht. Denkmalgesichtspunkte werden beim Projekt S 21 anderenorts ja deutlich geringer gewichtet…

Gottfried Schmitt