Kleine Geschichte des Killesbergparks und der Stuttgarter Messe

Jahrhunderte lang gehörte das Gelände des heutigen Killesbergparks zu den Steinbrüchen der Gemeinde Feuerbach. Mit dem dort gewonnenen Material wurden schon das Neue Schloss und die Stiftskirche gebaut. Als aber nach dem ersten Weltkrieg die Steinbrüche restlos ausgebeutet waren, verwilderte das Gelände und war das Reich der Kinder, die hier "Indianerles" spielten. Als 1933 Feuerbach zu Stuttgart kam, beschloss man eine landschaftliche Neuordnung des Gesamtgebiets. Auch ein Verkehrskonzept einschließlich einer Umgehungsstrasse von Ludwigsburg über Stuttgart nach Böblingen sollte erarbeitet werden.

 

Die nun einsetzende Entwicklung des Killesberggebiets wurde hauptsächlich durch die in Stuttgart stattfindenden fünf Gartenschauen von 1939 bis 1993 gestaltet. Jede dieser prachtvollen Ausstellungen ermöglichte eine neue Stufe in der Garten- und Stadtentwicklung. Der Gartenarchitekt Hermann Mattern und der Regierungsbaumeister Gerhard Graubner schufen zur Reichsgartenschau 1939 als erste die Grundstrukturen des Killesberggeländes. Dabei folgten sie der topographischen Gestalt der Landschaft, berücksichtigten Sichtachsen und Ausblicke, gestalteten die Höhenunterschiede durch Terrassen und Treppen und schufen sogar fünf Seen mit aufspringenden Fontänen. Gleichzeitig errichteten sie die ersten Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude im Eingangsbereich. 4,5 Millionen Besucher erfreuten sich an dieser Reichsgartenschau, aber der zweite Weltkrieg warf schon seine Schatten voraus. Die Ausstellung musste wegen des Krieges ihre Pforten einen Monat zu früh schließen. In der folgenden Zeit wurde in den ehemaligen Blumenhallen ein Durchgangslager für die jüdischen Bürger eingerichtet, die von hier aus in den Osten in die Todeslager transportiert wurden. Heute erinnern sowohl im Killesbergpark als auch am Nordbahnhofgelände Gedenkstätten an dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte.

 

Als der Krieg vorbei war, bestand der Park aus Ruinen und Bombentrichtern. Die "Deutsche Gartenschau" 1950 erleichterte den Wiederaufbau, und Hermann Mattern, der ein weiteres Mal als Gartenarchitekt die Federführung innehatte, garantierte eine nachhaltige Neugestaltung und Kontinuität. Allerdings musste der Park am Osthang Gelände für die geplante "Killesbergsiedlung" abtreten. Ein Vorgang, der sich im Laufe der Zeit aus  vermeintlich guten Gründen immer wieder wiederholen sollte! Nach der Deutschen Gartenschau beschloss die Stadt am Killesberg ihr neues Ausstellungsgelände zu bauen. Bis 1952 entstanden nach den Plänen des Architekten Hellmut Weber entlang der Stresemannstrasse 4 Ausstellungshallen mit fast 10 000 qm Fläche. 1955 anlässlich der Landesausstellung Baden-Württemberg folgte dann die große "Sägedachhalle" (Halle 4). Bis zum Bau der Schleyer-Halle boten die Flächen in Killesberg die einzige Möglichkeit in Stuttgart Großveranstaltungen abzuhalten. Auch der Start des SDR-Fernsehens fand 1954 in den Killesberghallen statt. Von Killesberg wurde "live" gesendet, und man besaß lange Zeit das größte Fernsehstudio in ganz Deutschland. Diese Ära ging 1965 mit dem Umzug der Studios in die Villa Berg zu Ende. Gleichzeitig wurden die neuen Hallen 12 bis 15 jenseits der Stresemannstrasse errichtet, und somit die Ausstellungsfläche noch ein Mal vergrößert, um auch internationale Messen ausrichten zu können. Die Zusammenlegung von Park und Messe wurde jedoch vom ersten Tag an kontrovers diskutiert und führte zeitweilig zu sehr heftigen Auseinandersetzungen mit den Anwohnern.

 

Bei den beiden Bundesgartenschauen 1961 und 1977 stand der Killesbergpark selbst nicht mehr im Mittelpunkt der Neugestaltungen. 1961 lag der Schwerpunkt im Schlossgarten, und die Gartenschau diente hauptsächlich zur Sanierung und Schaffung neuer öffentlicher Parks im Stadtgebiet. Allerdings wurde das Killesberggelände von der Feuerbacher Heide bis zum Bismarckturm und der Skiwiese am Kräherwald erweitert. 1977 wurden für die Bundesgartenschau die Unteren Anlagen im Schlosspark saniert und mit dem Gartenareal der Villa Berg verbunden.

 

Nach der erfolgreichen Bundesgartenschau 1977 wies der nun zuständige Gartenarchitekt Hans Luz die Stadt mit Nachdruck auf die Gefährdung des Killesbergparks durch die Messe hin. Seine Sorge, dass durch ständige Eingriffe und größere Baumaßnahmen der Messe der Park mit der Zeit seinen ursprünglichen Charakter verliert, wurde auch von der Bevölkerung geteilt. Nach langen Diskussionen wurde 1986 der Höhenpark endlich unter Denkmalschutz gestellt. Zuvor wurde aber in den Jahren 1981/82 und noch ein Mal 1987/88 das Messegelände bis auf insgesamt 59 500 qm erweitert und das neue Kongresszentrum Killesberg fertig gestellt. Die große unterirdische Ausstellungshalle (Halle 5) ermöglichte einen breit angelegten Eingangsweg in den Park und die Messeanlieferzone wurde endlich an den Seiteneingang an die Stresemannstrasse verlegt. Mit dem "Bürgerverein Killesberg", der die Messegegner vertrat, einigte man sich für die Zukunft die reine Ausstellungsfläche auf 50 000 qm zu begrenzen. Gleichzeitig wurde an der Strasse "Am Kochenhof" ein Lärmschutzwall errichtet und die Strassenparkplätze für die Anwohner reserviert.

 

1993 durfte Stuttgart die alle 10 Jahre stattfindende Internationale Gartenbauausstellung IGA ausrichten. Dabei wurde die schon 1936 geplante Grünverbindung, das so genannte "grüne U" vom Schloss- und Rosensteinpark über das nun sanierte Wartberggelände bis zum Killesberg erweitert - eine Errungenschaft, die wir auch in Zukunft mit Nachdruck erhalten wollen.

 

Nach großen Auseinandersetzungen mit den Fildervororten beschloss 1998 die Stadt Stuttgart zusammen mit dem Land Baden-Württemberg die Messe vom Killesberg an ein neu zu erschließendes Gelände am Flughafen zu verlegen. Damit stand der Umzug der Messe unwiderruflich fest, und für den Killesberg eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten. Diese wurden in einem kooperativen Ideenwettbewerb 2005 ausgelotet, und der Entwurf des Planungsbüros PESCH und Partner wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

 

Der städtebauliche Konzept des Siegerentwurfs beinhaltete Wohnungsbau am Kochenhof und an der Oskar Schlemmer Strasse, ein Stadtteilzentrum neben dem Areal der Brenzkirche und gegenüber diesem Zentrum einen Komplex "Forum K", das sowohl kommerzielle als auch nicht kommerzielle Nutzung ermöglicht. Außerdem waren die Erweiterung des Parks Richtung Feuerbacher Heide und die Freilegung der "Roten Wand" mit einer Seenlandschaft vorgesehen.

 

Der Weg von den Ideen zu ihrer Realisierung stellte sich jedoch als lang und steinig dar, wie wir im letzten Jahr erfahren durften. Wir, die SPD in Stuttgart-Nord, wünschen jedoch die größtmögliche Umsetzung der Ideen von Prof. Pesch und werden uns nachdrücklich dafür einsetzen.

 




Sevil Kölbel
Bezirksbeirätin